Georg Volker. 321
Und mit einigen raſchen Sprüngen ſtand ſie ſchon auf dem unterſten Felſen und rief lachend:
„Ei, ei, Georg, fürchtſt Dich wohl gar? Sieh', ſo gehrs! Mach' es mir nur einmal nach; dort an der Wurzel hältſt Du Dich feſt, dann kommen ganz breite Stufen, wie bei einer Treppe; Muth gefaßt, Liebſter!“
Und wieder ſchwang ſie ſich Gemſen gleich an den Felſen in die Höhe, lachend, daß es hell durch den Wald ſchallte; während Georg ihr mühſam von Stein zu Stein nachklomm und oft ebenſo zagend
rückwärts als vorwärts ſchaute. Sie aber war ſchon
faſt auf dem Gipfel und ſchwebte mit flatterndem Gewand auf einer ſchmalen Felszinke über dem Ab⸗ grund; eine wilde Freude glänzte aus ihren Blicken, als ſie ſich, den rechten Arm um eine im Geſtein wurzelnde Fichte geſchlungen, zu dem Geliebten in die Tiefe niederbückte, wobei ihr das ſchwarze Locken⸗ haar über das vom raſchen Klettern glühend gewor⸗ dene Antlitz fiel. Sie war unbeſchreiblich ſchön in dieſer gefährlichen Stellung, und Georg, als er jetzt zu ihr aufſchaute, glaubte über ſich das holde Wald⸗ mährchen in leibhaftiger Geſtalt zu erblicken.
„Komm, komm nur, bergab geht's ſchon leich⸗
ter!“ rief ſie ihm muthwillig neckend zu und war in H. 2


