Georg Volker.
14
„wer das verſteuern wollte, der müßte unter Umſtän⸗ den ſo reich ſein, wie unſer gnädiger Herr Graf, und zuletzt käme ihm doch die Execution über'n Hals,“ er deutete gegen Himmel,„und pfändete ihn bis auf's Hemd aus!“ Dieſe Rede machte auf ſämmtliche Zu⸗ hörer eine außerordentliche Wirkung; denn der ſchlaue Hauptmann wußte die Bauern, ohne daß man ihm darum beikommen konnte, durch die offene Darlegung aller Schäden und Unbilden zum tödtlichſten Haß gegen den Grafen anzufeuern, und, indem er ſeinen Vor⸗ trag an den geeigneten Stellen ebenſowohl mit from⸗ men Bibelſprüchen als mit launigen Scherzen und Anekdoten aus ſeinem Soldatenleben würzte, gab er dieſer unter ſo ſonderbaren Umſtänden abgehaltenen Grabesrede jenen bizarr⸗religiöſen Anſtrich, der ebenſo die Phantaſie wie das Gemüth ſeiner Zuhörer feſſelte. Endlich kam er mit einem„Baſta!“ ſtatt des Amens zum Schluſſe und ſprach ohne Weiteres mit andäch⸗ tiger lauter Stimme das Vaterunſer. Aber bei den Worten: So wie wir vergeben unſern Schuldigern, huſtete er plötzlich ſo laut, daß kein Menſch ihn ver⸗ ſtehen konnte, viele Bauern aber, die auch verſtanden, was er nicht ſagte, ſich bedeutungsvoll zuwinkten und gleichfalls huſteten. Auch von der erſten Schau⸗ fel Erde warf ſodann der alte Bär, bevor er ſie auf


