258 Georg Volker.
auch nur annähernd eine Wahrſcheinlichkeit aufzufin⸗ den, wie Eugenia hinter des Grafen Pläne gekom⸗
men ſein möchte, ſo wenig löſte er doch dieſes Räth⸗ ſel; und wie ſchon ſo oft in ſeinem Leben, wo es gerade ſeines Herzens theuerſte Fragen galt, ſtand er
auch jetzt wieder vor einer dreimal verſchloſſenen Pforte und ſuchte vergebens nach dem Zauberſpruch, der ſie allein öffnen konnte. Er fand ihn nicht, und der einzige Troſt, der ihm blieb, war, daß Eugenia ihn ja hatte hoffen laſſen, er werde ſie wiederſpre⸗ chen an einem andern Orte, und dann Alles er⸗ fahren.
Da plötzlich, er hatte ſo lange nur an ſich allein gedacht, daß er darüber alles Andere vergeſſen, er⸗ innerte er ſich wieder an die Worte der jungen Grä⸗ fin von ihrem eignen Unglück und von der Qual, die ſie ſeit jenem Tage im Schloß der Verwandten erduldete; und ein Schauer, kalt wie der des Todes, durchrieſelte ihn, denn unheimlich ſtieg die alte Schreck⸗ geſtalt ſeines Lebens in ſeiner Seele empor; er ſah den Feind, der ihn ſelber aus einer Oede des Grauens in die andere jagte, nun auch in jenem Hauſe ge⸗ ſchäftig, deſſen Aufenthalt Eugenien zur Qual wurde, ohne daß ſie ſich in ihrer reinen Seele vielleicht ſelbſt bewußt war, was ſie eigentlich ängſtige und welches


