252 Georg Volker.
Vergebens waren die Bitten und Wehllagen der ar⸗ men Lilien, die ihn faſt fußfällig beſchworen, ihnen den blutenden Mann nicht in's Haus zu ſchaffen; er blieb taub, verwies ſie auf die Geſchichte vom barmherzigen Samariter, und wurde, als ſie demun⸗ geachtet nicht aufhörten zu ſeufzen und zu lamenti⸗ ren, zuletzt ſo wüthig, daß ſie ſich zitternd in das Unvermeidliche ergeben mußten und ſelbſt noch liebe⸗ voll Sorge trugen, Vetter Peter's unglücklichen Freund zu empfangen, der ſogleich nach ſeiner An⸗ kunft auf Adelgundens keuſches Lager gebettet wurde, was dieſer beinahe eine Ohnmacht zugezogen hätte.
Volker hatte anfangs vom Schloſſe aus, da es bereits ſtark zu dunkeln anfing, auf dem nächſten Wege nach ſeinem Hofe zurückreiten wollen; bald aber beſtimmte ihn der Gedanke, daß vielleicht bei der herrſchenden Aufregung unter den Bauern ſeine Anweſenheit nöthig ſein möchte, noch einmal in's Dorf zurückzukehren und ſich ihres friedlichen Ver⸗ haltens zu verſichern. Daneben zog ihn auch das geheime Gefühl einer Sehnſucht und Unruhe, wofür er kaum einen Namen wußte, zu Annli, dem ſtillen Kind mit den dunklen Augen; und ſo war er froh, als ihm auf halbem Wege einer ſeiner Knechte ent⸗ gegenkam, dem er das Pferd übergab, um es nach


