Georg Volker. 25¹
verſtändniß aufgeklärt. Darüber vergaß er denn ſchnell ſeine ganze Kriegsluſt, und das alte Solda⸗ tenherz, welches ſich ſchon im Getümmel des Kam⸗ pfes geträumt hatte, zerſchmolz mit einem Mal vor Wehmuth und Mitleiden; die hellen Thränen liefen dem Hauptmann an den Backen heruntet und in tiefſter Betrübniß rief er aus:
„Ach, mein ehrlicher, kreuzbraver Konrad, wer hat Dir das gethan! Der beſte Schütz im Oden⸗ wald! Nun kann der Raubritter in's Fäuſtchen la⸗ chen, denn an dieſem da hat unſere Sache ihren wackerſten Streiter verloren! O der verfluchte Blut⸗ hund! Der Unmenſch! Aber wart' nur, Konrad; er ſoll Dir Schmerzgeld bezahlen, bis er die Schwer⸗ noth kriegt und ihm der Hetzleim an der Spitzbu⸗ benhand klebt! Allons, Kinder, bringt den Bleſſir⸗ ten in mein Haus, dort ſoll er gepflegt werden, als wär' ich's ſelber; mein Baldrian iſt ſo ein halber Feldſcheer, und ſo lange noch ein Funken Lebenslicht im bravſten aller Wilderer iſt, wird ihm der alte Bär beiſtehen wie ſeinem leiblichen Bruder!“
Er ließ ſodann den Verwundeten mit möglichſter Sorgfalt aufheben und eilte ſelbſt dem Zuge voraus, um die nöthigen Vorkehrungen zur Aufnahme und Verpflegung des bravſten aller Wilddiebe zu treffen.


