25 Georg Volker.
Selbſtbeherrſchung eben ſo geübt, wie in derjenigen des Vertuſchens, ſuchte ſie ſchnell das Geſpräch auf ein anderes Thema zu bringen, das nicht nur die Aufmerkſamkeit der beobachtenden Dienerſchaft ablen⸗ ken, ſondern auch den unwillkommenen Vertreter des Volkes ſelbſt in Verlegenheit ſetzen ſollte. Sie ſagte darum mit erheuchelter Beſorgniß:
„Ich fürchte ſehr, Herr Volker, Sie haben ein ſchlimmes Amt übernommen. Wie konnten Sie aber auch nur die Bauern in dem wahnſinnigen Plane beſtärken, einen Schuldigen mit Gewalt befreien zu wollen, der dem Geſetze verfallen iſt?“
„Dem Geſetze allerdings, gnädige Frau,“ erwie⸗ derte Georg,„aber niemals der Willkür. Fürchten Sie darum nichts für mich, denn ſo wenig, als ich die Bauern in ihrem Plane beſtärkte, wie die Frau Gräfin zu ſagen geruhen, ſo wenig werde ich zu⸗ geben, daß man zehn Jahre Zuchthaus, die höchſte vom Geſetz gegen den Wilddiebſtahl verhängte Strafe, in einen— Meuchelmord verwandelt! Ha, Frau Gräfin, Sie ſagen es ſelbſt, der dem Geſetz verfallen iſt, gehört dem Geſetze; aber wenn er nun
vielleicht in dieſem Augenblick ſchon eine Leiche iſt— welches Geſetz der Welt erreicht ihn dann noch?“— Die Gräfin lehnte ſich ſtumm in die Sophaecke


