Georg Volker. 221
den heftigen Zufällen ſelbſt vom Arzte erwartet wurde, und bald täuſchte ſich auch Gräfin Mathilde nicht in der weiteren Wahrnehmung, daß in Eugenien zum andern Mal eine Verwandlung vorgegangen war, die Jener freilich in ihrer tieferen Urſache, hätte ſie nur darnach forſchen wollen, ebenſo räthſelhaft er⸗ ſcheinen mußte, als die erſte vor der Krankheit. Nichts mehr an Eugenien glich dem früheren Weſen; ver⸗ geſſen ſchien mit der wiederkehrenden Geſundheit alle Noth und dunkle Schwermuth der letzten Tage; ja, als hätte die Krankheit in ihr wirklich zu Stande gebracht, wogegen ſich früher ihre ganze Na⸗ tur auflehnte, ſo erſchien ſie nun in Allem als das Gegentheil jenes Weſens, das wir in ihr kennen lern⸗ ten; denn ein kalter ſtolzer Sinn befeſtigte ſich in ihr immer ſichrer; ſie zeigte ſich bald ebenſo herriſch und launenhaft, als früher gütig und in ihrem Gefühle beſtändig, und ein grauſamer Spott gegen Alles, was unter ihr ſtand, trat an die Stelle ihrer ſonſt ſo weichen Innigkeit und Herzensgüte; mit einem Wort, das ſo lange ungefügige Kind hatte endlich glücklich ſeine Schuhe ausgetreten, und die Weltdame ging mit allem Stolz, zu welchem ſie ihre hohe Geburt berechtigte, aus dieſer wunderbaren Metamorphoſe hervor. Nun die Seele verflüchtigt ſchien, ſtrahlte der


