Teil eines Werkes 
1. Band (1851)
Entstehung
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Georg Volker. 217

So war ihr Leben dem der ſchönen Alpenblume zu vergleichen, die ja auch auf kalten, eisumſtarrten Höhen in lieblicher Schönheit leuchtet und an ſüßem Duft und Frühlingsluſt ihren Schweſtern in den grünen Thälern nicht nachſteht. Zwar blüht ſie ein⸗ ſam unter himmelhohen Gletſchern, und der warme Sonnenſtrahl, der ſie aus der ſchlummernden Knospe wach küßte, weckt ringsherum kein zweites Leben mehr in der todten Natur; aber dafür erſcheint dieſes Eine auch dem Wanderer, der ſich zu dieſer einſa⸗ men Höhe verirrt, um ſo reizender, und dünkt ihm ſchöner, himmliſcher, als der ganze Frühling, der tief unten pranget. Es iſt das letzte Symbol der lieb⸗ lichen Naturſeele, dem er auf ſeinen ſteilen Pfaden begegnet; noch weiter hinauf umſtarret ihn todte Oede.

Aber auch die Blume in den Wolken erreichen doch der Erde Wetter und Stürme; und ſo greift denn auch in Eugeniens Leben plötzlich eine rauhe Hand und zerſtört in einer Stunde die ganze ſchöne Welt ihrer einſamen Frühlingsträume. Sie erwacht am Abgrund einer furchtbaren Wirklichkeit; ihr er⸗ ſter klarer Blick in's Leben iſt ein Blick in die Nacht der ſchwärzeſten Menſchenſeele und vor ihr enthüllt ſich zugleich das Geſchick dieſer Erde in einer ſeiner merkwürdigſten Verkettungen.