Georg Volker. 215
gab, ſie aus ihrem kindlichen Gemüthsleben in die kalte Welt der Wirklichkeit hinüberzuziehen, und ihr ein Daſein verſtändlich zu machen, in welchem der von Glück und Geburt Begünſtigte mit Verachtung auf ſeinen Nebenmenſchen herabblickt, und in der Ertödtung aller ſanfteren Gefühle, in der Angewöh⸗ nung an die ſtarren Formen und den herzloſen Ego⸗ ismus des ſogenannten privilegirten Standes ſeinen allgemeinen Lebenszweck erfüllt; ſo wenig konnte ſie doch damit ein ideales Gemüth, wie das Eugeniens gewinnen, dem ein ſo tief ſchwärmeriſcher Sinn für
alles Schöne, Gute und Wahre innewohnte, und
dem der angsborene Adel der Seele höher galt, als derjenige, welchem der Zufall die Krone in die Win⸗ del ſtickt. Hierzu kam noch, daß Eugenia bald mit richtigem Gefühl den Abſtand erkannte zwiſchen ei⸗ nem wirklich vornehmen, innerlich und äußerlich von den Sonnenſtrahlen des Glückes geſättigten Daſein, und jenem hohlen Prunk, jener kleinlich berechnenden Standeskoketterie, womit der Graf und die Gräfin
ſich in ihrer hochgebornen Balance zu erhalten ſuch⸗
ten, da doch häufig genug der Leichenſchatten ihrer längſt zu Grabe getragenen ſouverainen Herrlichkeit wie ein recht unwillkommener Gaſt durch die ſtolzen Hallen wandelte und einen grellen Contraſt zu der


