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Der Tannenschütz : Weihnachts-Novelle für 1851 / von Otto Müller
Entstehung
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treuer und ſtandhafter Liebe, und nur im Grabe finden ſie ſich wieder!

Unter dieſem Geſpräche waren ſie am Dorfe an⸗ gelangt, und die Bäuerin hätte Ernſt wohl noch weiter erzählt, wenn ihnen nicht plötzlich das Geläute der Glocken die Beerdigung angekündigt hätte. Raſch eilten beide vorwärts, und wie ſie in das Dorf einſchritten, ſchlug die alte Bäuerin laut jammernd die Hände zu⸗ ſammen; denn eben bog der Leichenzug um die Ecke und bewegte ſich langſam, unter dem Geſang der Schuljugend, die Dorfſtraße herauf. Der Sarg, in welchem man das ſchöne Ammychen ſeinem Bräutigam zutrug, war über und über mit Kränzen und Blumen geſchmückt, freilich nicht mit denen des Frühlings, ſon⸗ dern nur mit bunten Flitterblumen, aber doch gar anmuthig bräutlich, als wenn man noch bis zum Grabesrand des Lebens holde Täuſchung habe feſthal⸗ ten wollen.

Ernſt blieb, des Zuges harrend, am Eingange zum Friedhof ſtehen, dort wo er vor wenig Monaten bei ſeiner erſten Ankunft im Dorfe das ſchöne Ammy⸗ chen gefunden hatte. Das Ganze machte auf ihn einen unbeſchreiblich wehmüthigen Eindruck und auch ohne ſeine perſönliche Bezichung zu der Dahingeſchie⸗ denen hätte dieſer Anblick ſein innigſtes Mitgefühl erweckt. Der reine Glanz des Schnee's, welcher alles