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„Ach ja, ein Gottesdienſt am offenen Grabe!“ ſprach ſie gedankenvoll vor ſich hin, und indem ſie den Fra⸗ genden mit trauernder Miene anblickte, fügte ſie hinzu: „Das weiß der Herr alſo noch nicht, daß wir heut' eine Leiche im Dorfe haben, eine ſchöne junge Leiche, um deretwillen ich mich ſchwarz trage und für die ich auch den Rosmarinzweig da—“
„Ammy!“ rief Ernſt, von einer dunkeln Ahnung ergriffen.—„Eben das Ammychen wird heute begra⸗ ben,“ verſetzte die Alte gedämpft.„Vorgeſtern Nacht hat der liebe Gott ſich ihrer erbarmt und ſie zu ſich genommen. Was der Himmel der Erde nicht gönnt, das nimmt er ihr frühe mit ihrem Liebſten weg, und die Leute nennen das dann am gebrochenen Herzen ſterben.“—„O erzählt mir doch!“ rief er auf das Tiefſte erſchüttert;„hatte denn Ammy nicht noch ihren Rudolph?“ ½
„Hätt's ſterben können, wenn der Rudolph ihm geblieben?“ erwiderte die Bäurin.„Das iſt's ja ge⸗ rade, warum alle Welt am Leid der Beiden ſo innigen Antheil nimmt! Denn was war die Unthat der Alten gegen die Noth, die den Jungen auferlegt wurde! O Jeſu! das iſt eine ſo ſonderbare Geſchichte, daß man 3
eigentlich gar nicht recht drüber nachdenken ſollte, weil man ſonſt an allem in der Welt irre werden möchte Ja, ja; ihre Liebe war wohl zu heiß, und ſe hatt


