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Der Tannenschütz : Weihnachts-Novelle für 1851 / von Otto Müller
Entstehung
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Da ſtieß die alte Frau einen Schrei der höchſten Ueberraſchung aus, ſchlug erſchüttert die Hände zu⸗ ſammen und rief:O lieber Jeſu! ſo iſt Er gewiß der Freund des Herrn Pfarrers zu Altenhain, von dem mir das arme Ammychen ſo oft erzählte? Der bin ich allerdings, verſetzte er und ſah ver⸗ wundert die alte Bäuerin an, die hierauf in lautes Weinen ausbrach, und ſchluchzend ſeine Hand erfaſſend, ausrief:Ach Gott! ach Gott! So brauch' ich mich auch nicht vor Ihm zu ſchämen, wenn ich's ſage, daß ich des verrufenen Konrad Wahls einzige Schweſter bin vom Gaulenhof drüben hinter'm Berge und vor Jammer und Herzleid um den ſchändlichen Menſchen mir die Seele ausweinen möchie!

Was könnt' Ihr für ſeine Unthat? erwiderte Ernſt tröſtend.Schrecklich iſt's freilich immer, einen ſolchen Bruder zu haben, aber zu ſchämen braucht Ihr Euch darum nicht; denn Euch ſieht man's gleich an, daß Ihr gut und chrlich ſeyd.Das iſt alles recht, ſagte die Alte und weinte noch heftiger.Hätt' ich nur den heutigen Gang nicht nach Altenhain zu machen, ſo wollt' ich ſchon gerne mein Lebenlang des Kaſtenmeiſters Schweſter heißen aber ſo

Habt Ihr denn heute Gottesdienſt im Dorfe? fragte Ernſt.Es iſt Werktag und doch tragt Ihr Sonntagskleider und habt auch ein Geſangbuch?