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Tannenſteins hüpfte ein Rothkehlchen leiſe ſingend aus der Dornhecke hervor, flog eine zeitlang wie verwun⸗ dert über die fremde Menſchenerſcheinung von Zweig zu Zweig neben ihm her und ſchien ihn fragen zu wollen, woher des Weges er komme und was ihn, den Fremdling im feinen warmen Pelzkleid, zu dieſer Fußwanderung auf des Vogelsbergs rauhen Höhen be⸗ wege.
Endlich, es war gegen eilf Uhr Vormittags, ge⸗ langte Ernſt an den Tannenſtein und den Hohlweg. Oben am Rande deſſelben hinſchreitend ſah er erwar⸗ tungsvoll nach dem Thal hinunter, das ſich vor ihm zu öffnen begann; denn gleich mußte der Altenhainer Kirchthurm hinterm vordern Hügelrand hervortreten und ein wenig ſpäter auch das Dach des Pfarrhauſes.
Da plötzlich tönte aus dem Hohlweg zur Seite ein unterdrücktes Seufzen und Schluchzen in ſein Ohr, und wie er ſich raſch umſah, erblickte er eine alte Bauersfrau, die unten vor dem ſteinernen Kreuzchen ſtand, das nur noch mit der Spitze aus der Schneedecke hervorragte. Die Bäuerin war ſchwarz und ſonntäg⸗ lich gekleidet; ſie trug eine weiße Haube mit großem ſteifem Hinterſchild, von welchem ein Trauerband nie⸗ derhing; in der Hand hielt ſie ein Geſangbuch, in dem ein Rosmarinzweig ſteckte, und ſo ſchien ſie in


