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Der Tannenschütz : Weihnachts-Novelle für 1851 / von Otto Müller
Entstehung
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ſchaft unterbrachen. Ueberaus prächtig und maleriſch erſchien der Bielſtein, ein mächtiger Baſaltfelſen, deſſen ſchwarzes Steingeklüft mit dem im Schnee leuchtenden Gipfel, aus der Ferne betrachtet, einem rieſigen Mem⸗ nonsantlitze glich, das halb im Wüſtenſand verſunken mit ſtummen großen Augen den Wanderer anſtarrt. Um den waldbedeckten Hoherodskopf, den höchſten Gipfel des Vogelsbergs, lagerten dichte Nebel, aus welchen der alte ſteinerne Thurm auf der Höhe nur in grauen, undeutlichen Umriſſen hervorſchaute.

Ernſt, ein gewandter Eisläufer, glitſchte mit Windeseile über die ſpiegelglatten Eisflächen dahin; ihm war ſo froh und friſch zu Muthe in dieſer ſtum⸗ men wilden Natur der Heimath wie einſt als Knabe, und faſt vergaß er über der ſonnig klaren Luft des ſcharfen Nordoſt's, der über die ſchneebedeckten Höhen des Oberwaldes dahin fuhr und die Nebel immer höher an den Bergen hinauf jagte. Dabei war es ſo ſtill, ſo ſchweigſam in dieſer kalten und doch ſo ſchönen Winterwelt, und die Eisblumen an den kahlen Sträu⸗ chern und Halmen blitzten und funkelten ſo zauberiſch im Kryſtallglanz wie geſponnenes Glas, als wollten ſie der Erde des Frühlings Luſt und Glanz erſetzen. Kaum zeigte ſich ein lebendes Weſen im öden Geſilde; nur einmal hyuſchte ein Haſe dicht vor unſerem Wan⸗ deter aus ſeinem Lager auf und in der Nähe des