Es war wenige Tage vor Weihnachten, als Ernſi, den dringende Geſchäfte mehrere Monate lang in der Reſidenz aufgehalten hatten, nach dem Vogelsberg zu⸗ rückkehrte, wo unterdeſſen der Winter in ſeiner ganzen wilden Schönheit eingezogen war. Von dem Städtchen S., in welchem er am ſpäten Abend zuvor angelangi, hatte er ſich am Morgen des folgenden Tags aufge⸗ macht, um zu Fuß Altenhain zu erreichen, da bei dem tiefen Schnee die Straße dahin völlig unfahrbar ge⸗ worden war. Zudem trennten ihn nur wenige Stun⸗ den von dem Ziel ſeiner Sehnſucht, und der Reiz der winterlichen Gebirgsnatur war ihm noch aus ſeiner Kindheit allzu erinnerlich, als daß er denſelben, trotz Schnee und Kälte, hätte aufgeben mögen.
Und in der That wurde die Gebirgslandſchaft, je höher er aus den nebligen Thalgründen in den eigentlichen Oberwald hinauf gelangte, immer reizender und die wildromantiſche Schönheit des rauhen Vogels⸗ bergs trat immer großartiger und impoſanter aus den ſchukeigen NRebelhüllen hervor. In weiten Spiegel⸗ flächen breiteten ſich die eisbedeckten Berghaiden über die ganze Hochebene aus; leuchtend blitzte der Schnee im Sonnenlicht; ſo weit das Auge reichte, nichts als ein einziges glänzendes Schneegefild, in welchem nur hier und da ein dunkler Tannenwald, oder ein einſam gelegener Bauernhof das winterliche Kolorit der Land⸗ F*„


