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Der Tannenschütz : Weihnachts-Novelle für 1851 / von Otto Müller
Entstehung
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Morgen klärte ſich's grauenvoll auf; die Leiche des jungen Förſters, den man nur den ſchönenTannen⸗ ſchütz nannte, wurde unter dem Wehklagen vieler Leute in's Dorf nach dem Rathhaus getragen. Wenige Stunden nachher erſchien ein Unterſuchungsrichter von dem benachbarten Amte in Begleitung des Phyſkus und vollzog die gerichtliche Obduktion an der Leiche. Aber vergebens waren alle Nachforſchungen nach dem Thäter; wohin auch die Hand der irdiſchen Gerechtigkeit grif, tappte ſie im Dunkeln, und keine Strafe erreichte den Frevel am Tannenſtein. Das Wert der Nacht blieb der Nacht finſteres Geheimniß, und zuletzt legte die Vergeſſenheit der Menſchen ihren Schleier, die Natur ihre grüne Hülle über die That der blutigen ünde und deren blutgetränkte Stätte. Nur das ſteinerne Kreuz mit der halbverſunkenen hölzernen Einfaſſung lugte noch aus der wilden Roſenhecke hervor und ſchien der Sühne zu harren für den grauſen Mord aus alten Tagen.

Ernſt, der ſich noch deutlich des ſchmucken Tan⸗ nenſchützen erinnerte, den er oft als Kind im Förſter⸗ haus tief hinten im Walde beſucht hatte, wurde von dieſer dunkeln Begebenheit ſeiner früheſten Jugend ſo lebhaft ergriffen, daß er zuſammenfuhr, als das Raſcheln einer Eidechſe im Laube ihn nach einer Weile

aus ſeinen Betrachtüngen aufſchreckte. Wie das ängſt⸗