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Der Tannenschütz : Weihnachts-Novelle für 1851 / von Otto Müller
Entstehung
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dazu, um in eurem idylliſchen Vogelsberg duszuhalten. Denn alles, was ich bis jetzt von den Reizen und Annehmlichkeiten deſſelben kennen lernte, ſetzt ſo viel Naturwüchſigkeit voraus, daß mir oft ganz unheimlich dabei wird; in der Stadt hat man wirklich keinen rechten Begriff von dem, was ihr auf dem Lande Romantik nennt, und ihr ſelbſt wißt's vielleicht nicht 1 einmal.

Friederike ſuchte der Schweſter zu beweiſen, worin eigentlich die Poeſie des Landlebens beſtehe, und warum ſie dieſelbe nicht faſſen könne, als ihr Burkhard in's Wort fiel, indem er ſagte:So ganz unrecht hat Auguſte in der That nicht. In den Nerven liegt allerdings der Unterſchied, und geſund müſſen letztere jedenfalls ſeyn, wenn man unſerer rauhen Gebirgsnatur Geſchmack abgewinnen will. Denn iſt es wahr, daß unſer Nervenſyſtem ein eigenthümliches Leben beſitzt, ja daß die Thätigkeit der Seele ſelbſt aus dem Leben der Nerven hervorgeht, ſo muß es auch wahr ſeyn, daß alle unſere Anſchauungen und Wahrnehmungen dadurch bedingt werden, der Menſch mithin am tieſſten und richtigſten die Natur empfindet, dem ein geſundes Nervenſyſtem inwohnt. Was macht denn unſere moderne Geſellſchaft, im Gegenſatz zum unverkümmerten Leben des Landvolks, ſo blaſirt und abgeſpannt, was iſt ſchuld an dieſer Raffinerie der Genußſucht, an dieſer