geiſtigen Indolenz unſerer ſogenannten gebildeten Stände, als eben der Mangel an geſunden Nerven? Seht den Bauer; warum iſt er der zufriedene und
glückliche Menſch, wodurch erhält er ſich ſeinen reinen,
ungekünſtelten Naturſinn, ſeine Gefühlsunmittelbarkeit? Ja, warum ſteht er noch heute auf ſeinem alten geſchichtlichen Boden und repräſentirt uns ſo gleichſam in ſeinem Stande noch immer die urſprünglichen Formen und Lebensverhältniſſe der Geſellſchaft? Wüßte er erſt einmal, was Nerven ſind, er würde bald auf⸗ hören, ein Sohn der Natur und der Geſchichte zu
ſeyn. Und gewiß iſt es kein Paradoxron, wenn ich
ſage, an allem moraliſchen und phyſiſchen Elend der andern Stände iſt einzig die Schwachnervigkeit ſchuld, die es uns unmöglich macht, das Leben noch mit friſchen, geſunden Organen zu genießen. Wir ſind nicht nur nervenſchwach in unſerem Leichnam, wir ſind es auch in unſerer Literatur, unſerer Poeſie, unſerem Kunſtgeſchmack; ja unſer ganzes politiſches, ſociales und philoſophiſches Leben krankt an dieſer troſtloſen Erſchlaffung unſerer Nerven, die jede produktive Kraft, jeden Schönheitsenthuſiasmus von vornherein zerſtört und die ganze Generativn ſchwach und erbärmlich macht.“
Auguſte ſagte:„Aber wenn geſunde Nerven allein die Bedingungen ſind, durch die wir zu wahren und


