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Der Tannenschütz : Weihnachts-Novelle für 1851 / von Otto Müller
Entstehung
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Sonne beſchien wieder hell die abgekühlte Erde und die Natur athmete nach einem ſchwülen Tage erquickt auf. Im Garten, der an das Pfarrhaus ſtieß, ſaßen drei Perſonen, die ſich gleichfalls an der erfri⸗ ſchenden Kühle labten, welche das Gewitter in der Atmoſphäre zurückgelaſſen hatte. Noch tropften die Blätter der Laube vom Regen und die vom Thau getränkten Roſen hingen ſchwer an ihren Zweigen nieder.

Es war Burkhard, der junge Pfarrer von Alten⸗ hain, mit ſeiner Gattin Friederike und deren jüngerer Schweſter Auguſte, welche ſich nach dem heißen Tage die Zeit bis zum Abendeſſen mit heitern Geſprächen verkürzten, nachdem man übereingekommen war, daß ein ſo herrlicher Abend nicht im engen Zimmer hin⸗ gebracht werden dürfe, ſondern vollſtändig bis zum Sternenſchimmer im Freien genoſſen ſeyn wolle. Auguſte, die der Pfarrer ſchon zu wiederholten malen mit ihrer Gewitterfurcht aufgezogen hatte, verlor endlich die Geduld und rief lachend:

Ja, wenn ich deine und deiner Frau bibelfeſte Nerven hätte! Aber wir Leute in der Stadt haben nun einmal keinen Geſchmack an dergleichen, wie ihr's nennt, erhabenen Naturſcenen und intereſſiren uns höchſtens in der Oper für ſolche Knalleffelte. Sagt was ihr wollt, es gehören wirklich robuſte Nerven