———
— 7—
rührt mit ſeinem goldenen Zauberſtab an die erſtarrte Schöpfung, daß ſie aufwacht aus langem Witterſchlaf und aus Scholle und Knoſpe in's keimende Daſeyn drängt. Aber ſelbſt dieſes Erwachen iſt ein gewalt⸗ ſames, ängſtliches, wie vonſchwerem Alpdrücken. Denn die Berge ſenden wilde Sturzbäche in's Thal, die ſich ſelbſt ihr Bett graben, wodurch oft das beſte Gelände auf Jahre hinaus verſandet und zerriſſen wird; oder der Sturm wirft zugleich mit den Eislaſten die ſtärkſten Bäume nieder, die Bergſtröme ſchwellen mächtig an und brechen verheerend aus ihren Dämmen. Und damit wir auch der Menſchen nicht vergeſſen, die gleichfalls zu neuem Daſeyn erwachen wollen, ſo ſey hier bemerkt, daß meiſtens ihre Noth erſt recht anfängt, wenn der Winter vorbei iſt und mildere Tage kommen. Denn der letzte Vorrath iſt aufgezehrt, ſelbſt das rauhe Haferbrod fällt nur noch in dünnen Scheiben ab, und bis die Mühlen, vom Eiſe befreit, wieder im Thale gehen, iſt ſelbſt bei den wohlhabenderen Bergbewohnern das Mahlkorn ſelten geworden. Nur die Kartoffel ſchützt dann noch den deutſchen Irländer vor dem Hungertode, und wohl mag das alte Sprüchwort dor⸗ tiger Gegend recht haben, welches lautet:„Wenn die Schlehen und Holzäpfel nicht gerathen, gibt's weder zu ſieden noch zu braten.“


