Teil eines Werkes 
2. Band (1861)
Entstehung
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wie ich ihn vorhin verlaſſen hatte aber in der ſchon dunkeln Stube kam es mir vor als ſei er doch ein Anderer o ich bin wirklich zum erſten Mal in meinem Leben vor einem Menſchen erſchrocken, der möglicher⸗ weiſe nicht mehr das iſt, was er war!

Todt! riefen Bebra, Helmroth und der Rittmeiſter wie aus einem Munde und ſprangen beſtürzt von ihren Sitzen auf.

Er regt ſich nicht, ſitzt da wie ein römiſcher Prätor

auf dem Forum ſeine Hände ſind eiskalt ſein Puls ſchlägt nicht mehr! brachte der Geheimerath athemlos ſtot⸗ ternd heraus.Aber zum Kukuk! Ich ſſoll doch wiſſen, was Entſetzliches in meinem Hauſe vorgeht!

Mit dieſem heftigen Ausruf ſprang er vom Stuhle auf und rief durch die Thüre dem Diener nach Licht. Er nahm es demſelben haſtig aus der Hand und ging feſten Schrittes die Treppe hinauf; ihm folgten die drei Herren. Beim Ein⸗ tritt in die Stube des Prinzenerziehers ſaß dieſer ganz in der Stellung, wie der Geheimerath ſie beſchrieben hatte, in der Sophaecke, beide Hände feſt vor dem Antlitz, wie es wohl ein Menſch zu thun pflegt, dem plötzlich ein allzu⸗ heller Schein die Augen blendet.

Daß es aber wirklich ein ſolches Licht geweſen ſein muß, was er geſchaut hat, das zeigten, als ihm der Geheime⸗ rath die eine, und Helmroth die andere Hand ſanft vom Geſicht hinwegzogen, die im Tode gebrochenen Augen, zeigte ein in ſchmerzloſem ſchnellen Sterben verklärtes Antlitz init freundlichen Zügen und einem ungemein ſtolzen triumphi⸗ renden Lächeln um die feſtgeſchloſſenen ſchmalen Lippen.

So war Roderich, wie es ja auch ſein ihm noch immer gnädig geſinnter Fürſt gewünſcht hattein Frieden von dannen gezogen. Der Segen des alten Vaters hatte ihn auch ohne Brandenſtein's treugemeinte Vermittlung erreicht,