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korps abgehen, das ſich eben dort wieder zu ſammeln beginnt. Drei junge Helden haben, neueſter Meldung des kommandirenden Generals zufolge, die Fahne ihres Regi⸗ mentes unter beiſpielloſen Gefahren glücklich und wohlbe⸗ halten über den Niemen gebracht; ihre Namen ſind zwar noch Geheimniß, aber Das dürfen wir ungeſcheut wieder⸗ holen, was der Fürſt uns mit einem trüben Lächeln beim Abſchied ſagte: So Viel, als die Fahne, gelte ihm der Dienſt, den die kleine Soubiron Ihm und der armen Prin⸗ zeſſin in dieſer andern ſchrecklichen Kampagne geleiſtet habe.“
„O meine Kinder, das hat eure Mutter um euch ver⸗
dient!“ rief Brandenſtein, und Thränen der freudigſten
Rührung glänzten ihm in den grauen Wimpern.„Nur noch eine ſchwere Prüfung— der arme Herr Roderich— und dann fort— fort zu meiner guten Settel!“
Er wußte noch nicht einmal, was er mit dem Ausruf „der arme Herr Roderich!“ eigentlich geſagt hatte; denn jedenfalls war es anders von ihm gemeint geweſen, als es nach dem Willen und der Abſicht einer höheren uner⸗ forſchlichen Macht in den trüben Sternen dieſes unglück⸗ lichen Lebens geſchrieben ſtand.
Der Geheimerath war bei ſchon einbrechender Däm⸗ merung hinaufgegangen, um Roderich auf den Beſuch des alten treubewährten Freundes ſeines Vaters vorzuberei⸗ ten; er kam jedoch unerwartet ſchnell wieder zurück, tau⸗ melte faſt mehr als er ging in das Zimmer und ſtammelte, auf einen Stuhl niederfallend:
„O Gott— ich glaube— der Informator hat uns alle noch einmal myſtifizirt!“
„Iſt er fort?“ rief Helmroth erſchrocken.
„Fort und doch da!“ entgegnete der Leibmedikus ganz außer Faſſung.„Er ſitzt oben in der Sophaecke, rechts am Fenſter— die Hände vor dem Geſicht, ganz ſo


