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Eben kam ein Herr in ſchlichtem blauen Oberrock von halb militäriſchem, halb bürgerlichem Zuſchnitt die Hof⸗ treppe herauf, den der Geheimerath erſt erkannte, da er ihm näher gegenüberſtand.
„Wie? Seh' ich recht, Herr Rittmeiſter von Branden⸗ ſtein?“ rief Demann verwundert.—„Was verſchafft mir die Ehre dieſes ſo ſeltenen, lieben Beſuches?“
„Ich komme, ſcheint's, zu einer böſen Stunde in Ihr Haus, Herr Geheimerath,“ entgegnete der Angeredete mit dem Blick und Weſen eines Mannes, dem eine ſchwere Sorge das Herz belaſtet.—„Herr von Bebra folgt mir mit dem Regierungsrath Helmroth auf dem Fuße, und da ich von dieſen beiden Herren gehört habe, daß Sie bereits um Alles wiſſen, ſo brauche ich Ihnen auch kein Hehl aus dem Zweck meines Hierſeins zu machen. Ich bringe dem armen Herrn Roderich die Nachricht von dem geſtern Morgen unterm Frühgeläute erfolgten Ableben ſeines alten Vaters, bringe ihm deſſen bei vollem Bewußtſein ausgeſprochenen letzten Segenswunſch!“
Der Leibmedikus ſagte mit einer an dem ſonſt ſo talten
Manne ganz ungewohnten Rührung: „Gebe nur Gott, daß dieſer Vaterſegen nicht zu ſpät für ihn kommt, mein lieber Herr von Brandenſtein! Aber treten Sie doch in's Zimmer— wie lange ſahen wir Sie nicht in der Reſidenz! Haben Sie ſchon die Fräulein Tochter im Schloſſe beſucht? Traurig, Herr Rittmeiſter, wenn ſchon man in ſo großer Jugend ſo ſchreckliche Erfah⸗ rungen an den Menſchen macht! Aber Fräulein Serena darf dafür auch, das weiß ich aus unſeres Fürſten eigenem Munde, auf die ewige Dankbarkeit unſerer hohen Herr⸗ ſchaften zählen; ihr Verhalten in dieſer unſeligen Geſchichte iſt wirklich über alles Lob erhaben geweſen!“ „Eine Lehre für's Leben, nicht mehr nicht weniger,


