dann, während dunkle Glut und Leichenbläſſe abwechſelnd ſein Geſicht bedeckten, mit ſonderbar veränderter, zittern⸗ der Stimme:
„Mir thut meine Bruſt entſetzlich wehe, Herr von Demann— aber dennoch habe ich einen andern Wunſch als Ihre ärztliche Hülfe— den Sie mir erfüllen können — erfüllen werden— wenn ich Sie beim allmächtigen Gott und ſeiner Barmherzigkeit darum beſchwöre. Sagen Sie mir, wo iſt der Prinz? Was macht die Prinzeſſin? Ich ſah vorhin alle Fenſter von Ihrer Durchlaucht Ge⸗ mächern mit Gardinen verhängt.“
„Sie fragen mich da mehr, Herr Roderich, als ich Ihnen in Ihrer jetzigen Stimmung des Weiteren beant⸗ worten kann,“ entgegnete der Leibmedikus zögernd.„Der Prinz iſt da, wo er von jetzt an allein noch hingehört, bei ſeinem fürſtlichen Herrn Vormund. Prinzeſſin Aurelie aber wird Sie in dieſem Leben nicht wiederſehen, was Ihnen genügen muß, um Sie den einzigen Entſchluß faſſen und raſch— raſch ausführen zu laſſen, der das ſchreckliche Verhängniß noch von unſerem edlen Fürſtenhauſe abwenden kann, welches Sie und Ihr unſeliges Geſtirn auf daſſelbe heraufbeſchworen haben. Wir ſprechen weiter darüber, wenn Sie ſich zuvor erholt haben werden— heute Abend. Denken Sie einſtweilen meinen Worten ſo ruhig und reiflich nach, als Ihnen möglich iſt, und ſollten Sie ſonſt Etwas bedürfen, ſo brauchen Sie nur die Schelle zu ziehen, meine Leute ſtehen zu Ihren Dienſten.“
Bevor er jedoch wegging, hob er erſt die Mappe vom Boden auf, welche Roderich hatte fallen laſſen, und legte dieſelbe auf den Schreibtiſch neben die alte Bebra'ſche Fa⸗ milienbibel. Noch einen langen forſchenden Blick warf er auf den in düſterem Brüten vor ſich hinſtarrenden todtbleichen Gelehrten, und verließ dann mit lautloſem Schritt das Zimmer.


