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Ehre machte, wie dem wiſſenſchaftlich gebildeten Praktiker; eine Fülle der ſcharfſinnigſten und eigenthümlichſten Gedan⸗ ken in ſtreng logiſcher Folgerung, die überall den Nerv dieſes für das Staatswohl ſo bedeutſamen Themas berührten. Wer ſeine Lebensſchickſale kannte, der mußte ſogleich in dieſen lichten geiſtvollen Ausführungen die tieferen perſön⸗ lichen Beziehungen herausfinden, in denen dieſes Werk zu ſeinem Urheber ſtand; ein Las Caſas im Kerker hätte nicht beredter und weiſer über das Weſen dieſer Strafart, über ihre heilſamen und unter Umſtänden ſo verderblichen Ein⸗ flüſſe auf das einzelne Individuum, wie auf die geſammte bürgerliche Geſellſchaft urtheilen können, als es hier geſchah; ſo daß Roderich, indem er dieſe Schrift in die Hand des erlauchten und humanen Fürſten niederlegte, nicht bloß der ſ leidenden und verirrten Menſchheit einen wahren Dienſt damit erwies, ſondern ſeiner Arbeit auch noch obendrein den Charakter eines Selbſtbekenntniſſes aufgeprägt hatte, das ſeine Jugendſchuld und deren tragiſche Folgen in ihrem wahren Lichte erſcheinen ließ. Dieſe Ueberzeugung von dem günſtigen Eindruck, wel⸗ chen ſeine Abhandlung auf den Fürſten machen werde; dazu die Hoffnung, daß ein Herz und ein Verſtand, die ſich den darin ausgeſprochenen Rechtsgrundſätzen und Lebensanſchauungen zuneigten, auch den Gang ſeiner eignen Schickſale und Vergehungen aus dieſem höheren Geſichts⸗ punkte richtiger und dann auch milder beurtheilen würden, bewogen Roderich zu dem Entſchluß, dieſe letzte Arbeit im Dienſte des gütigen Fürſten demſelben perſönlich zu über⸗ reichen. Er hatte ſich vorgenommen, ihm dabei einige Worte über ſeine ſo nahe perſönliche Beziehung zu dieſer Arbeit zu ſagen; er wollte dem Fürſten wenigſtens andeu⸗ ten, daß mehr als bloßes Nachdenken und Studium ihn
zu dieſen Anſichten und Reformvorſchlägen geführt hätten,


