Teil eines Werkes 
2. Band (1861)
Entstehung
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in jenen excluſiven Kreiſen, welchen Roderich in ſeiner Stellung als Prinzenerzieher trotz ſeiner bürgerlichen Her⸗ kunft zunächſt angehörte, in den Kreiſen des hohen Adels und der hoffähigen Geſellſchaft, in denen ein ſolcher Ein dringling mit allerhand jakobiniſchen Hirngeſpinnſten von bürgerlicher Gleichheit, Volkswohlfahrt und Beſchränkung der Standesprivilegien im Kopfe, durchaus keine ange⸗ nehme Erſcheinung iſt. Eine Kabale gegen einen ſolchen gefährlichen Neuerer anzuſpinnen und ihn wieder von Hofe zu entfernen, war darum auch hier nur eine Frage der Zeit, nicht der moraliſchen Erwägung.

An kleinen Höfen weben bekanntlich die Kreuzſpinnen der Intrigue ihre größten Netze, und an einem freien ſelbſtbe⸗ wußten Charakter rächt ſich außerdem die kleinliche Malice,

der gedemüthigte Geburtsſtolz und die in ihrem tiefſten Nichtsgefühl gekränkte Bedientennatur am liebſten. Auch Roderich ſollte dieß bald erfahren; denn welche Rückſichten hätte man überhaupt noch gegen einen Mann zu beobachten brauchen, dem alle Welt nachſagte, das Faktum, daß ihn einſtmals ein Steckbrief verfolgt habe, ſtehe ihm ja ganz deutlich in den Zügen geſchrieben; denn ſo und nicht anders könne überhaupt nur ein ſolches proſtribirtes Geſicht ausſehen dieſes Antlitz ſei ſelbſt nur wieder ein verkörperter Steckbrief, und was der grauſamen und entſetzlichen Redensarten mehr waren, womit man ſich gegenſeitig zu dieſer neueſten Cauſe célsbre beglückwünſchte. Einzelne Hofdamen bekamen bei der ſchauerlichen Nach⸗ richt Nervenzufälle; der erſte Flügeladjutant litt an Leibesver⸗ ſtopfung und Milzſtechen, der Oberzeremonienmeiſter redete irrſinnig, und der Kammerherr von Ludow klagte über einen beſtändigen dumpfen Druck auf der linken Schläfe; dabei herrſchte trotz des ſtrengen Winters eine unerträgliche Ge⸗ witterſchwüle in der Hofatmoſphäre, die alle Bewegung

Müller, O., Roderich. II. 18