Kriminaliſten nach aktenmäßigen Quellen verfaßten Mono⸗ graphie eines berüchtigten Poſtdiebs als deſſen Genoſſe und Helfershelfer; während dritte Perſonen— und gewiß nicht die am ſchlechteſten unterrichteten— aus ſicherer Quelle erfahren hatten, an all' dem Gerede ſei zwar kein wahres Wort, demungeachtet aber ſehe es um Roderich's Vergan⸗ genheit ſchlimm aus, noch ſchlimmer faſt als um ſeine— Gegenwart! Jedoch ſeien ganz andere Perſonen dabei zu berückſichtigen, vielmehr zu reſpektiren; und wer es nicht bloß mit ſich ſelber, ſondern auch mit Fürſt und Vaterland wohl meine, der gehe am beſten ſolchem Gerede weit aus dem Wege und enthalte ſich jeder öffentlichen oder privaten Aeußerungen über den myſteriöſen Fall.
So ging die Fama der Reſidenz, bald lauter bald leiſer flüſternd, bald in loyaler bald in polizeiwidriger Geſtalt, von Haus zu Haus, und auf einmal beſann man ſich wieder zwiſchen athemloſer Spannung und ſprachloſer Be⸗ ſtürzung auf alle die verſchiedenartigen unheimlichen Ein⸗ drücke, die Der und Jener ſchon von Roderich's erſter Er⸗ ſcheinung empfangen hatte oder vielleicht auch noch nach⸗ träglich von ihm empfing.— Ganz zuletzt, und von den Meiſten in dieſem allgemeinen Wogen und Drängen der wunderbarſten und ſchauerlichſten Geſchichten ſchnell wieder als alltägliche und proſaiſche Erfindung über Bord gewor⸗ fen, tauchte noch ein weiteres Gerücht über Roderich auf, von dem ſich aber Niemand, der es nacherzählte, eine dra⸗ ſtiſche Wirkung auf Nerven und Einbildungskraft des Pub⸗ likums verſprach; wonach der ſo viel beſchrieene und be⸗ flüſterte Mann allerdings nicht der ſein ſollte, der er war — mithin ganz gewiß ein Anderer— aber leider doch nur ein Menſch von gewöhnlichem bürgerlichem Schickſals⸗ zuſchnitt: ein Pfarrersſohn aus der Pfalz, der in Folge eines ſchlimmen Studentenſtreichs von ganz abgeblaßtem


