Teil eines Werkes 
2. Band (1861)
Entstehung
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Ganz kurze Zeit nachher, als in dem vertrauten Freun⸗ deskreiſe, welcher ſich die Erforſchung von Roderich's früheren Lebensumſtänden vorgeſetzt hatte, die uns bekannten Ereig⸗ niſſe den gegen den Prinzenerzieher gefaßten dunklen Ver⸗ dacht beſtätigten und die Ueberzeugung mehr und mehr Raum fand, daß auf der Vergangenheit des Gelehrten jedenfalls merkwürdige, von ihm ſelber mit größter Sorg⸗ falt geheimgehaltene Verhängniſſe ruhen möchten, tauchten plötzlich in der Reſidenz allerhand unheimliche Gerüchte über den Prinzenerzieher auf, von denen eigentlich Niemand wußte, von wem ſie ausgingen und wie viel oder wie wenig Glauben ſie verdienten.

Bald ſollte ein durchreiſender Fremder von Diſtinktion an der Table d'hote des erſten Gaſthofs verdächtigende Aeußerungen über Roderich's Vergangenheit gethan haben; bald war ein anonymer Brief mit furchtbaren Enthüllun⸗ gen über die wahre Perſon des gefeierten Kanzelredners die Veranlaſſung dazu geweſen; bald hatte ein eingezogener Verbrecher in einem Nachbarſtaat vor Gericht ſchauerliche Bekenntniſſe über den hochgeſtellten Mann und ſeine frühe⸗ ren intimen Beziehungen zu demſelben abgelegt genug, die Reſidenz war mit einmal voll von den abenteuerlichſten Geſchichten von dem ſo ſchnell zu Ruf und Bedeutung ge⸗ langten räthſelhaften Mann und ſeiner noch räthſelhafteren Vergangenheit. Kein Menſch glaubte zwar recht daran; aber dennoch wußte faſt Jeder eine andere Lesart, eine andere Erklärung für das große Ereigniß des Tages. Die Einen munkelten, Roderich ſei als relegirter Student, ein zweiter Salvator Roſa, in eine förmlich organiſirte Räuber⸗ bande eingetreten, welche in den unruhigen Kriegszeiten, in die ſeine Jugend fiel, im Elſaß gehaust habe; Andere wollten wiſſen, ſein eigentlicher Name figurire bereits ſeit

mehreren Jahren in der von einem berühmten auswärtigen

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