—.
— 269—
lichen Jugendkataſtrophe in Heidelberg, hat er zwar gewiß an jenem Abend dem Regierungsrath gleichfalls ausführ⸗ liche Geſtändniſſe abgelegt; doch ſind auch hierüber nur un⸗ beſtimmte Gerüchte in's Publikum gelangt, was uns vermu⸗ then läßt, daß die wenigen, in die eigentlichen Verhältniſſe eingeweihten Perſonen triftige Beweggründe gehabt haben müſſen, nach dieſer Zeit mit ihrem Wiſſen ſehr geheim zu thun.
So tritt das Geheimnißvolle, welches Roderich's ganze Perſönlichkeit während ſeines Aufenthalts in jener Stadt für die meiſten Perſonen hatte, immer dunkler und räthſel⸗ hafter an uns heran, je mehr er ſich ſelber der Löſung des größten Räthſels nähert, das ihn, wie wir früher ſahen, in letzter Zeit ſo vielfach beſchäftigt hat.
Was wir in nachfolgenden flüchtigen Zügen von der Geſchichte ſeiner Vergangenheit andeuten, nachdem er in der Heimat für todt galt und ſein Name dort längſt verſchollen war, beruht gleichfalls auf Gerüchten, die damals in der Reſidenz kurſirten, in jenen Tagen der politiſchen Stürme aber eben ſo ſchnell als ſie auftauchten, wieder verſchwan⸗ den, ſo daß es heute nur noch wenige ältere Leute dort gibt, welchen dieſe Reminiſcenzen noch gegenwärtig ſind.
Danach ſtellen wir folgende, uns von mehreren glaub⸗ würdigen Perſonen mitgetheilte Nachrichten über die letzten Tage Roderich's in einem Geſammtbilde zuſammen, zu welchem uns beſonders zwei, noch während der Ausarbei⸗ tung unſerer Erzählung faſt gleichzeitig verſtorbene Männer, der Eine aus dem reichen Schatz ſeiner eigenen Erinnerun⸗ gen, der Andere nach mündlichen Mittheilungen Helmroth's ſelber werthvolle Züge und Anhaltspunkte geliefert haben, die ſelbſt einem noch treueren hiſtoriſchen Charakterge⸗ mälde, als wir überhaupt zu geben unternommen haben, zu Statten kommen würden.


