Teil eines Werkes 
2. Band (1861)
Entstehung
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gen gemacht wiſſen, zu raſchen kühnen Entſchließungen un⸗ fähig war; ſei es, daß er in Wirklichkeit noch an andere Mittel zu ſeiner Rettung als dieſe beiden äußerſten glaubte, und ſich vielleicht ſogar bei einer mehr ruhigen Prüfung aller ihm ſo günſtigen Umſtände mit der Hoffnung ſchmei⸗ chelte, für ſich allein die furchtbare, ſeine ganze Ehre und Lebensſtellung mit Ruin bedrohende Gefahr abwenden zu können; genug, er entſchloß ſich nach zwei Tagen voll ſchrecklicher innerer Kämpfe, ſeine Zuflucht gerade zu dem⸗ jenigen Manne zu nehmen, mit dem er ſchon ſo oft und eifrig das reiche Thema über Schuld und Sühne, Verhäng⸗ niß und menſchliche Willensfreiheit, ſowie über göttliches und weltliches Richteramt abgehandelt hatte: zu Helm⸗ roth, dem Referenten in Kriminalſachen bei dem oberſten Juſtizkollegium des Landes.

Dieſer ſaß gerade mit Frau und Kindern beim Nch⸗ mittagskaffee, als Roderich in's Zimmer trat. Seine ver⸗ ſtörte Miene, ſein aufgeregtes Weſen fielen Helmroth ſogleich auf; denn kaum konnte der Informator mit einem ſcheuen Blick auf den kleinen gemüthlichen Familienkreis die Bitte hervorſtottern, ihm in einer Sache, die keinen Aufſchub dulde, ein gütiges Gehör zu ſchenken. Der Regierungsrath ſtand ſogleich auf, warf ſeiner Frau, die einen Moment die Farbe wechſelte, einen Blick zu, den Jener zwar nicht bemerkte, der aber Dieſer deutlich ſagte, daß die Stunde einer ſchweren Prüfung für ihren Mann geſchlagen habe, und führte hier⸗ auf den Informator am Arme ſchweigend in ſein Arbeits⸗ zimmer. Bevor er ihn jedoch zum Riederſitzen auf dem Sopha nöthigen konnte, mußte er zuerſt eine Menge ein⸗ zeln in Papier eingewickelte Tulpen⸗ und Hyazinthenzwiebel hinwegräumen, die zu ſortiren und in Töpfe zu pflanzen er ſich heute vorgeſetzt hatte. Während deſſen ſtand Roderich ſchweigend am Fenſter und ſah regungslos hinaus in den