vorſtammeln konnte. Der Leibmedikus hat auch ſpäter häufig dieſen und jenen Freund im Vertrauen verſichert, daß er niemals in ſeinem Leben mit einem Menſchen die⸗ ſes unſagbare Mitleiden empfunden und gewiß die nämliche Seelenangſt wie jener ſelber ausgeſtanden habe, als in dieſer Stunde mit dem armen Informator, der wie gebro⸗ chen, mit ſchlotternden Knieen und einem ganz greiſen⸗ haften Ausſehen von ihm fortgewankt ſei. Aber jedesmal pflegte er dann auch nach einer längeren Pauſe mit Achſel⸗ zucken hinzuzuſetzen:
„Indeſſen, was wollte ich machen?— Meine Pflicht war mir vorgeſchrieben, und ſtünde er jetzt wieder gerade ſo vor mir, ich wüßte ihm heute keinen andern Rath zu geben wie damals, wiewohl ich es ihm eigentlich nie ver⸗ dacht habe, daß er ihn nicht befolgte.“
Welchen Rath er ihm gegeben, hat er zwar niemals geſagt; doch läßt uns die verzweifelte Lage Roderich's nur die Wahl zwiſchen zwei Vermuthungen; vorausgeſetzt, daß der Leibmedikus, woran wir nach ſeiner ausdrücklichen Ver⸗ ſicherung von ſeiner großen Theilnahme nicht zweifeln wol⸗ len, es wirklich aufrichtig mit dem Bedrängten gemeint hat.
Danach mußte Roderich entweder fliehen, wie er ging und ſtand, ehe ſein Feind die angedrohten Geſtändniſſe wirklich gegen ihn ablegte; oder er mußte dem Regenten ſo raſch wie möglich ſeine ganze räthſelhafte Lage rückhaltslos entdecken, und der Gnade eines ihm wohlgeſinnten edel⸗ müthigen Fürſten ſeine in dieſem Falle ſo gut als gewiſſe Rettung aus dieſer ſchrecklichen Situation anheimgeben— mithin wollen wir annehmen, daß es wirklich letzterer Rath war, den ihm der Leibmedikus ertheilt hat.
Sei es aber, daß Roderich, den wir bereits von dem dunkel fataliſtiſchen Vorgefühl eines über die Kraft ſeines moraliſchen Menſchen weit hinausgehenden Schickſals befan⸗


