— 261— tron— Frangois Ventron— und droht beim Verhör⸗ richter mit, ich weiß nicht welchen wichtigen Angaben über einen an dieſem Hofe lebenden angeſehenen Herrn, deſſen Freundſchaft ſich der freche Geſelle ſogar zu rühmen wagt!“
Wir unterlaſſen es den Eindruck zu ſchildern, den dieſe Mittheilung auf Roderich machte; jedes Wort des Geheime⸗ raths traf ihn wie ein Dolchſtoß; mit dem Blicke des rettungslos von einer reißenden Strömung erfaßten und ſeinem ſicheren Untergang in wilden Wirbelfluten mit Blitzes⸗ ſchnelle entgegentreibenden Schwimmers erkannte er in einem Momente nicht bloß, daß Alles für ihn verloren ſei, ſon⸗ dern auch, daß er ſelber ſeinen furchtbaren Feind in die Hände der Juſtiz geliefert habe— ein Gedanke von ſo ver⸗ nichtender Gewalt, daß ihn derſelbe wie die Hand der All⸗ macht ſelber traf und ihn eine Zeit lang ganz unfähig zu jeder andern Vorſtellung machte.— Was er in dieſen ſchreck⸗ lichen Augenblicken, wo ſein Geiſt mit dem Wahnſinn rang und ſeine Seele von den Schrecken der Vernichtung durch— dröhnt wurde, dem Leibmedikus antwortete, wußte er ſelber nicht; er hörte nur, während er mit keuchender Bruſt und trockenem Gaumen zu dieſem redete, den tonloſen Klang ſeiner eigenen Stimme, die ihm wie eine fremde in's Ohr tönte; aber ſeinen Worten mußte wohl aller Sinn und Zu⸗ ſammenhang fehlen, da der Geheimerath ihn wiederholt bat, er möge doch nur erſt wieder zu ſich kommen, er ver⸗ ſtehe wirklich ganz und gar nicht, was er ihm da ſagen wolle, bevor Roderich ſich mit ſeinen betäubten Sinnen in der Wirklichkeit wieder zurecht fand und einigermaßen ſeiner grenzenloſen Verwirrung Meiſter wurde.
Aber trotz der Verſicherung vom Gegentheil hatte ihn Demann nur zu wohl verſtanden und bei dieſer Gelegen⸗ heit Blicke in ſein Innerſtes gethan, die ihm jedenfalls Mehr ſagten, als der Unglückliche mit ſchwerer Zunge her⸗


