Teil eines Werkes 
2. Band (1861)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

258

grund erſt ſein Verderben und nun das ſtumme Denk⸗ mal ſeines Untergangs! 3

Wie ſo oft in ungewiſſen und verwickelten Lebenslagen, ſollte auch dießmal die Entſcheidung der ſchwebenden Frage durch Umſtände und Beweggründe herbeigeführt werden, die weitab von den Plänen und Berechnungen Derer lagen, welche ſich die Aufklärung dieſes verhängnißvollen Myſte⸗ riums vorgeſetzt hatten, wir meinen den Oberjägermeiſter und ſeine beiden Freunde Claudius und Helmroth.

Denn während dieſe ihr nächſtes Augenmerk auf die im Verlaufe der Unterſuchung von Ventron und ſeinem Mit⸗ ſchuldigen zu erwartenden Geſtändniſſe richteten und ſich außerdem darauf beſchränkten, alle Schritte Roderich's im Geheimen zu beobachten, war ein anderer Mann rückſichts⸗ los oder auch ehrgeizig genug, die Löſung des geheimniß⸗ vollen Dramas auf eigene Hand zu verſuchen und auf eine allerdings weniger umſtändliche Weiſe zum Ziele zu kommen.

Kaum hatte nämlich der Leibmedikus aus einer der vielen, ihm jederzeit zu Gebote ſtehenden Quellen aus der Amtsſtadt Kunde von den merkwürdigen Aeußerungen be⸗ kommen, die derHerr Vetter ſeines werthen Hausge⸗ noſſen über ſeine geheimnißvolle nahe Beziehung zu einem angeſehenen Herrn bei Hofe vor dem Verhörrichter gemacht haben ſollte: ſo ließ es dem alten ränkeſüchtigen Hofmann mit dem feindſeligen Gemüth keine Ruhe mehr, bis er den ihm ſo verhaßten Gelehrten eines Morgens beim zufälligen Begegnen in der Frau Landgräfin Vorzimmer um ein Ge⸗ ſpräch unter vier Augen erſuchte, da er ihm eine nicht ganz unwichtige Mittheilung machen wolle.

Roderich, ſogleich dazu bereit, folgte ihm ohne ſchlimme Ahnung in das dem Geheimerath im Schloſſe zur Verfügung