Teil eines Werkes 
2. Band (1861)
Entstehung
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256 liche Räthſel von Roderich's Vergangenheit zu löſen und unter Umſtänden ſelbſt die Prinzeſſin vor einem Unglück zu bewahren, dem ſie ahnungslos und von ihrer Liebe ver⸗ blendet mit ſicherem Schritte entgegenging.

Wer aber hätte ſich hierzu beſſer eignen ſollen als das verſtändige Mädchen mit dem Herzen voll ſchwär⸗ meriſcher Liebe und Begeiſterung für die verehrte Fürſtin, das, auch ohne weitere Kenntniß der über Roderich's ſon⸗

ſtigen Lebensverhältniſſen bereits waltenden ſchweren Zwei⸗

fel, richtig die Gefahr begriffen hatte, in welcher die Freundin ſchwebte, und das darum ohne Zaudern den ein⸗ zig rettenden Schritt that, indem ſie dem Geliebten Alles entdeckte.

Dieſer war vorſichtig genug geweſen, Serena Nichts von den Bedenken und Zweifeln ahnen zu laſſen, die bei ihm und den Freunden ſchon vorher gegen den Informator erwacht waren; theils um ihr nicht noch größere Sorge und Unruhe zu verurſachen, als ſie ſo ſchon empfand; theils um ihr die ſo nöthige Unbefangenheit des Herzens, der Prinzeſſin gegenüber, zu bewahren. Daß dabei auch der Vorfall mit dem Pſalterion zur Sprache kam, läßt ſich denken; aber ſei es nun, daß man ſich bereits daran gewöhnt hatte, Roderich einer großen Verſtellung für fähig zu halten; ſei es, daß Serena ſelber auf jenen Auftritt ſpäter unter an

dern Eindrücken und Sorgen kein ſo großes Gewicht mehr

legte genug, keiner der drei Freunde fand darin einen beſondern Grund zu neuen Muthmaßungen; keiner ahnte die verhängnißvolle Bedeutung, welche dieſer anſcheinend ſo gleichgültige Vorfall in der nun folgenden Kataſtrophe für den Prinzenerzieher haben ſollte.

Dieſe Kataſtrophe welches poetiſche Gleichniß ver⸗ möchte uns die erſchütternde tragiſche Wirkung derſelben auf den Unglücklichen zu veranſchaulichen, mit dem wir uns