— 254— felbſt in das Geheimniß ihrer bevorſtehenden Wiederver⸗ mählung eingeweiht worden ſei.
Und beinahe ſchien das ſonderbar veränderte Weſen des Gelehrten, ſo oft er mit Serena zuſammenkam, dieſe ihre Vermuthung beſtätigen zu wollen; denn er war in der That ſeit jenem merkwürdigen Geſpräch ein ganz Anderer gegen ſie geworden, und beſonders der Blick, mit dem er ſie oft wie in waches Träumen verſunken minutenlang un⸗ verwandt anſah, hatte einen ſo eigenthümlichen Ausdruck von Schwermuth und tiefer Rührung, daß Serena ſich nicht ſelten ganz unheimlich davon berührt fühlte, ohne zu begreifen, was ihr eigentlich ſeit jenem Abend an ſeinem Weſen ſo fremd und verändert vorkommen wollte.
Für alle Fälle war jedoch, ſeitdem ſie ihren Bräutigam geſprochen, ihr Entſchluß gefaßt; und ſie folgte darin nicht nur dem Wunſche des Geliebten, ſondern auch ihrem eigenen innerſten Gefühle, indem ſie ſich vorſetzte, die Freundin, komme auch was da wolle, nicht zu verlaſſen, ſondern vor Allem ihrer Pflicht zu folgen, die ja zugleich ihres Herzens
Stimme war und ſie an die Seite der Prinzeſſin wies, bis.
dieſe ſelbſt ſie ihres Dienſtes entbinden werde.— Der Freiherr hatte nicht gezögert, bei einer mehr ruhigen Prüfung der Verhältniſſe ſeinen anfänglichen Plan, Serena von Hofe wegzuthun, ſchnell wieder aufzugeben, denn auch er konnte dieſem muthvollen Entſchluß ſeiner ſchönen Braut unmöglich ſeine Zuſtimmung verſagen; ſelbſt den Kampf, den ihn die vorausſichtlich längere Trennung von der Ge⸗ liebten koſtete, überwand er leichter im Hinblick deſſen, was ſie Beide dereinſt an innerer Genugthuung und freudigem Bewußtſein empfinden müßten, wenn ſie ſich ſagen konnten, daß ſie ohne Rückſicht auf eigenes Glück treu an einmal übernommenen Pflichten und Verbindlichkeiten feſtgehalten hatten.


