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Untergebenen bei der geringen Hofdienerſchaft den eigen⸗ thümlichen Beinamen„Fleiſchbrühdrach“ verſchaffte, hatte noch zuvor das Marterinſtrume t beſichtigt und die Schärfe der inneren Kanten geprüft.
Als Roderich von den Umſtehenden über die eigentliche Natur dieſer grauſamen Strafe belehrt worden war und zugleich an den ſchmerzverzerrten Zügen des armen Laufers die Pein bemerkte, welche demſelben die ſcharfen Kanten des zentnerſchweren Holzkragens verurſachten, fühlte er ſich im Innerſten ſo ſehr empört, daß er ohne weitere Rückſicht in die Halle trat und dem Huſarenwachtmeiſter barſch be⸗ fahl, dieſem Unfug augenblicklich ein Ende zu machen und dem gequälten Menſchen ſeine ſchwere Laſt abzunehmen. Der Graubart, den Informator und den Prinzen erken⸗ nend, rapportirte mit ſoldatiſchem Gruße:
„Auf Befehl Seiner Excellenz des Herrn Oberhofmar⸗ ſchalls, thue nur meine Schuldigkeit, Herr Profeſſor!“— Dann ſah er auf ſeine tombakne Uhr und ſetzte achſel— zuckend hinzu:„Noch volle fünfundzwanzig Minuten!— Vorwärts, Lambert: Eins— zwei! Eins— zwei!“
Da verlor Roderich ſeine letzte Faſſung: er ſah den Angſtſchweiß auf der Stirne des hin- und herſchwankenden Laufers, ſah ſeine dick hervorgequollenen Augen, und ging darum irzen Schritten auf ihn zu. Ohne ein Wort zu ſprechen, nahm er ihm den Bottich von der Schulter; der arine Menſch brach erſchöpft in die Kniee zuſammen, Roderich aber ſchwang mit einer Kraft, die Niemand dem
3 bleichen hageren Manne zugetraut hätte, den ſchweren Holz⸗
trog wie ein leichtes Kinderſpielzeug mehrmals über dem Kopfe und ſchleuderte ihn dann mit einer ſolchen Gewalt gegen die nächſte ſteinerne Säule, daß er krachend ausein⸗ anderfuhr und die Splitter durch die ganze Halle flogen. Wie auf ein gegebenes Signal brachen alle Zuſchauer in
Mürler, O., Roderich. I. 3
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