Teil eines Werkes 
2. Band (1861)
Entstehung
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Und dieſes Gefühl übt oft einen um ſo größeren Zauber auf ſolche Naturen aus, beherrſcht um ſo vollſtändiger alle ihre andern Empfindungen, als es ſie in eine freiwillig ge⸗ wählte und darum doppelt reizende Abhängigkeit zu einem Manne verſetzt, der vielleicht nicht einmal eine Ahnung da⸗ von hat, und den jedenfalls ſeine ganze übrige Perſönlich— keit, ſowie ſeine Stellung in der Welt geeignet machen, ihm dieſes Gefühl mit aller Rückhaltloſigkeit zu weihen.—

Das Anſehen, welches der ernſte Gelehrte, den man nur ſelten lächeln ſah, durch dieſes nahe Verhältniß zu ſeiner fürſtlichen Gebieterin allmälig bei Hof erlangte, war, wie leicht zu denken, von vielen Perſonen zugleich wahrge⸗ nommen und von faſt eben ſo vielen mit geheimem Neid und Mißgunſt bemerkt worden. Denn hatte er ſich auch wirklich durch treue Dienſte in einer ungewöhnlichen Lebens— lage um die Prinzeſſin verdient gemacht, ſo waren dieß doch immer nur Dienſte aus einer Vergangenheit, mit der man glücklicherweiſe nichts mehr zu ſchaffen hatte, ja, deren Gedächtniß man überall gern und für immer ausgelöſcht hätte.—

Demnach erſchien Roderich in den neuen Verhältniſſen ſeines jetzigen Lebens als ein über alles Maß begünſtigter Mann vor vielen Andern, die an dem Orte, wo er jetzt auftrat, ſeither ungleich größere Verdienſte für ſich in An⸗

ſpruch genommen hatten, als ihm, dem Fremden und Aus⸗

länder, zugeſprochen werden konnten.

Selbſt ſein gewöhnlich ſchüchternes und zurückhaltendes Weſen kontraſtirte bald nach der Meinung mancher Perſo⸗ nen auffallend mit einem mitunter recht ſchroffen hochfah⸗ renden Benehmen, wenn er ſich nicht in der gehörigen reſpektvollen Weiſe behandelt glaubte. Er hatte dann zuwei⸗ len eine Art von kurzem trockenen Widerſpruch oder von doktrinärer Ironie an ſich, die dem galglatten Höfling, be⸗