Teil eines Werkes 
2. Band (1861)
Entstehung
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zweifeln, daß weder die Prinzeſſin noch ihr ſchönes Hof⸗ fräulein nach weiterer gegenſeitiger Ausforſchung begierig waren. Einer jeden genügte vielmehr die Gewißheit, der Freundin in dem nämlichen Gefühle zu begegnen, das ſie ſelber beſeelte; und hätte nicht Serena, wie wir ſchon an— deuteten, durch Aureliens Benehmen dazu veranlaßt, es nach einiger Zeit zuweilen wie eine dunkle Ahnung em⸗ pfunden, daß Jene ihr noch ein anderes Geheimniß ver— berge, ſie würde in ihrer ſchwärmeriſchen Neigung für die Prinzeſſin nicht daran gedacht haben, ſich allmälig mit ſcheuer Neugierde nach dem Gegenſtand dieſer räthſelhaften Liebe umzuſehen.

Daß dieß kein eines ſolchen Herzens unwürdiger Ge⸗ genſtand ſein könne, dafür bürgte ihr ſchon allein dieſes edle ſchöne Herz ſelbſt!— Aber auch am Hofe konnte er nicht verweilen, ſonſt hätte ihr ſcharfes Auge gewiß bald den Rechten entdeckt; mithin mußte er aus irgend welchen unbekannten Gründen die Nähe der Geliebten meiden eine Vermuthung, in der Serena noch außerdem durch die eif⸗ rige Korreſpondenz beſtärkt wurde, welche die Prinzeſſin mitunter in auffallend geheimnißvoller Weiſe führte. Denn dieſe ſelbſt deutete ihr einmal ſcherzend an, alle ihre an auswärts lebende Perſonen gerichteten Briefe gingen durch Roderich's Hand und würden von dieſem zur Poſt gegeben.

Aber für ein ſo lebhaft empfindendes Herz, wie das Aureliens, wäre dieſe beſtändige Trennung von dem Ge⸗ liebten bei noch ſo eifrigem ſchriftlichen Verkehr doch gewiß auf die Dauer ein Grund zu zeitweiſer Schwermuth und Niedergeſchlagenheit geweſen; dahingegen die Prinzeſſin auch der ſchärfſten Beobachtung keinen Anlaß gab, an ihrem vollkommen befriedigten Gefühl und einer ſtets ſich gleich bleibenden heiter angeregten Stimmung ihres Innern zu zweifeln.— Denn bemerkte man auch wirklich einmal eine

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