ſchon lange vor der Zeit, da wir ſie kennen lernen, einen andern Stern entgegen, der aus noch dunklerer Lebensnacht in die ihrige hinüberleuchtete und ihr Herz in ſeiner tieſſten Entmuthigung plötzlich mit dem vollen Glanz einer erſten ſchwärmeriſchen Liebe erhellte. Und je tiefer dieſer Stern, bleich wie die Grabesfackel eines untergegangenen Lebens, aus zerriſſenem Gewölke hervortrat, je mehr er erſt in dem wiederauflebenden milden Glanz ihres eigenen Sternes allmälig die verlorene Bahn wiederfand, um ſo heller flammte auch ihm das rettende Licht aus der edelſten Frauenſeele entgegen, zog den Ver⸗ irrten immer mächtiger in ihre reine Bahn hinüber und— * eines Tages wandelten Beide vor Gott, dem alleinigen Zeu— gen ihres Bundes, in einem einzigen Lichte. . Der auf der Höhe des Lebens geborene Menſch wird . ſelten einem ſchönen Drang ſeines Herzens genügen, einer reinen Begeiſterung ſein Hoffen und Streben weihen dür⸗ fen, ohne nach dem Urtheil der Welt einen Fehltritt zu thun, wo nicht gar in einen Abgrund zu ſtürzen.— Je neidiſcher oder bewundernder ſich die Augen der Menge zu ſeiner einſamen olympiſchen Höhe emporrichten, um ſo be⸗ fangener und trüber wird der Blick für die richtige Auf⸗ 7 faſſung ſeiner menſchlichen Wünſche und Neigungen; und was im gewöhnlichen Leben ſelbſt ſtrengere Moralrichter noch für eine entſchuldbare Verirrung erklären und mit dem Mantel der chriſtlichen Liebe zudecken würden, das gilt
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dort auf den ſchimmernden Gipfeln der Hoheit und Maje⸗ ſtät für eine Verſündigung wider alle geheiligten Begriffe 6 und unantaſtbaren Hausgeſetze!— Selbſt der himmliſchen
Sonne verzeiht man noch eher ihre Flecken, als der irdi⸗ ſchen, und doch— wie häufig ſind es gerade dieſe dunk⸗ leren Schatten, hinter denen ſich ſchüchtern die ſchönſtz und edelſte Menſchlichkeit verbirgt!
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