Teil eines Werkes 
2. Band (1861)
Entstehung
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in verſtellter Verzweiflung;damals, wo Du mir in der Jasminlaube Treue und zärtliche Liebe ſchwurſt: ich wäre, ſtatt Dir in die Arme zu fallen, lieber gleich aus dem elterlichen Garten in den Neckar geſprungen, wo er am tiefſten! Nein, mich ſo zu quälen, mich ſo zum Beſten zu halten! Ich weiß, daß Du ſelber nicht daran glaubſt, daß Doktor Roderich ein Liebesverhältniß hat; aber ab⸗ ſcheulich bleibt's darum doch von Dir, daß Du mich durch die bloße Möglichkeit folterſt, Du könnteſt am Ende doch Etwas von ihm wiſſen, was Du mir nicht ſagen willſt! Wenn ich wirklich neugierig wäre

Hier unterbrach ſie ihr Mann durch ein herzliches Ge lächter und rief, ihren vom Eifer gerötheten Kopf mit bei⸗ den Händen erfaſſend und ſie tüchtig abküſſend:

Nein, Schatz, daß Du neugierig ſeiſt, hat noch Nie mand in der Welt behauptet! Daher will ich Dir auch

jetzt von freien Stücken erzählen, welche Bewandtniß es mit

meiner Beobachtung von unſerm neuen Hausfreund hat. Du magſt dann ſelber bei nächſter Gelegenheit die Augen aufthun, ob Du an einer gewiſſen Dame unſerer Bekannt⸗ ſchaft die nämliche Wahrnehmung machſt. Apropos! Du erinnerſt Dich doch noch der Liebesgeſchichte der Baronin von Waldkron mit dem gräflichen Muſiklehrer Herzberg?

Als wenn ſie geſtern paſſirt wäre, verſetzte die Re⸗ gierungsräthin, ihren Mann zweifelhaft anſehend, denn ſie traute ihm ſchon halb und halb wieder eine neue Neckerei zu.Aber was hat dieſer Kleinſtadtſkandal mit Doktor Roderich's Herzensgeheimniß zu ſchaffen?

Bloß eine kleine Parallele, liebe Luiſe, ſagte ihr Mann lächelnd.Erinnerſt Du Dich auch noch, wie ich damals gleichfalls der Erſte war, der den verliebten Leut⸗ chen in die Karten ſchaute, während noch die ganze Geſell ſchaft keine Ahnung von ihrem geheimen Einverſtändniß