Teil eines Werkes 
2. Band (1861)
Entstehung
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mir wiſſen wollteſt, als Du fragteſt, warum ich Roderich beim letzten Abendkränzchen im Schloſſe immer anſehen mußte? Mir kam nämlich plötzlich der Gedanke, ob er wohl ſchon einmal geliebt haben möge, und wenn dieß der Fall, wie die Frau etwa beſchaffen geweſen, die einen ſolchen Mann habe feſſeln können? Jedenfalls hat er etwas ungemein Anziehendes für Frauen an ſich, ich meine nämlich dieſes ſcheinbar ſo verſchüchterte zaghafte Weſen, und dann wieder plötzlich dieſe aufflammende Leidenſchaft, dieſe ſtolze Rückhaltloſigkeit, wenn er in die Ekſtaſe hinein geräth. Ja, ich kann mir ſeinen dunklen Feuerblick in der Zärtlichkeit noch viel intereſſanter und einnehmender denken als im lebhaften Geſpräche.

Da ſtellte ſich der Regierungsrath mit verſchränkten Armen vor ſeine Frau, zog die Augbrauen kraus zuſam men und ſagte, indem er ſie aus den grauen Sperberaugen mit ſeinem ſtechenden Inquirentenblick anſah:

Frau Luiſe Helmroth, geborene Arens, ſeit wann be⸗ finden wir uns mit unſern Pflichten als Gattin und Mut⸗ ter in dieſem argen Konflikt? Was geht es uns an, wann Doktor Roderich's Augen am intereſſanteſten ſind! Was kümmert uns das Anziehende in ſeinem Weſen, was, zum Kukuk, ſeine aufflammende Leidenſchaft! Sapperment, wo ſoll das hinaus! Ich ſage Ihnen: ſtehen Sie ab von Ihren verwegenen Wünſchen! Man hat Beiſpiele von Exempeln, daß man ſelbſt mit einer leidlich ſchönen Larve und mit aller Koketterie auf gewiſſe Männerherzen doch keinen Eindruck macht, weil ſie bereits von noch ganz anderen Reizen umſtrickt ſind!

Was ſagſt Du, Ferdinand, Doktor Roderich? fuhr die junge Frau überraſcht auf. Hat ſein Theil darauf verlaſſe Dich, Treuloſe!

entgegnete ihr Mann ſcharf und beſtimmt, wie er es ge⸗