Teil eines Werkes 
2. Band (1861)
Entstehung
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Ideen über Kunſt, Leben und Wiſſenſchaft zu entwickeln, ward auch die Prinzeſſin gleich ihren Gäſten ſtille und überließ Roderich die weitere Unterhaltung der Geſellſchaft.

Gewöhnlich zog ſie ſich dann mit Serena in eine halb⸗ runde Niſche im Hintergrund des Saales zurück, die durch das gedämpfte Licht einer von der Decke niederhangenden blaßrothen Glasampel erhellt wurde, von wo aus ſie durch die zurückgeſchlagenen Damaſtvorhänge die den Worten Roderich's lauſchende Geſellſchaft überſehen und in den einzelnen Mienen den Eindruck beobachten konnte, den ſeine Rede auf die Zuhörer machte.

Sie ſaß dann meiſt mit verſchlungenen Armen, das Haupt ſanft an Serena's Schulter gelehnt und hielt eine

Hand der Freundin in der ihrigen; dabei ſah ſie beſtändig, wie in waches Träumen verloren, nach der röthlich ſchim⸗ mernden Lampe hinauf; und nur wenn Roderich in der Wärme des Gefühls Etwas ſagte, was ſie tiefer berührte und anſprach, drückte ſie der Freundin die Hand zum Zeichen ihrer frohen Bewegung und Uebereinſtimmung. Und in dieſem bald leiſeren, bald ſtärkeren Händedruck lag oft ein ſo inniges Nachempfinden, daß Serena dieſe ver⸗ ſtohlene und doch ſo deutliche Kundgebung einer mehr als gewöhnlichen Sympathie bei all' ihrem unbefangenen Ge⸗ fühle zuletzt mit einer gewiſſen Art von Unruhe erfüllte, die ſie ſich lange ſelber nicht weiter erklären konnte.

Die Prinzeſſin war in ihrer und anderer Perſonen Gegenwart immer nur ſo lange heiter und lebhaft, bis Roderich zu reden anfing. Dann aber wurde ſie bald auffallend ſtill, horchte mit ſichtbarer Spannung auf jedes ſeiner Worte, und je mehr er in den Eifer der Rede hin⸗ eingerieth, um ſo ſeltener ſprach ſie ſelber; ja, man be merkte dann zuweilen, daß ſie ihm gerne auch vor den

andern Gäſten das Wort allein ließ.