Teil eines Werkes 
2. Band (1861)
Entstehung
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Alles, was er ſagte, trug ſo ſehr den Stempel der über⸗ zeugenden Wahrh

heit an ſich, als wenn es im unmittelbaren Zuſammenhang mit dem Tiefſinnigſten und Bedeutſamſten ſtünde, was überhaupt jemals von großen Menſchen über den nämlichen Gegenſtand gedacht und als wahr erfunden worden; und ohne die Mahnung der Schloßuhr, wenn die ſelbe zehn Uhr ſchlug, hätten Herren und Damen bis Mitternacht den Worten dieſes von geiſtvollen und ſchönen Gedanken überſprudelnden Redners gelauſcht.

Selbſt die jüngeren Damen, bei all' ihrem durch die Huldigungen der Männerwelt verwöhnten Geſchmack, be wunderten dann im Stillen die vortheilhaft in Roderich's Weſen, und ſeine ganze Perſönlichkeit erſchien ihnen nicht bloß höchſt intereſſant und einnehmend, ſondern auch den meiſten anderen Männern an wandtem Benehmen überlegen.

e Veränderung

Feinheit und ge⸗ Da war Nichts mehr von dem ſchüchternen und verlegenen Pedanten, von dem linki ſchen Gelehrten zu bemerken, über deſſen kleine Sonderbar⸗ keiten man noch eben gelächelt hatte. Die nachläſſige Haltung ſeines Körpers nahm feſte kräftige Formen an, ſein meiſt geſenktes Haupt richtete ſich kühn empor, jede ſeiner Be wegungen war maßvoll und edel, und von dem wunder⸗ baren Glanz ſeiner Augen konnte Niemand den Blick wie⸗ der wegwenden, der einmal hineingeſchaut hatte. Sein Weſen erinnerte dann unwilllürlich an den zum Dozen⸗ ten im akademiſchen Hörſaal geborenen Mann der feinen Dialektik und der ſcharfſinnigen philoſophiſchen Unterſu⸗ chung; je ſchlichter und anſpruchsloſer er ſeine Ideen aus⸗ einanderſetzte, um ſo bedeutender trat die Idealität ſeiner Lebensanſchauungen in den Vordergrund, und ſelbſt ein oberflächlicher Beobachter erhielt davon den Eindruck der dem Dienſt des Wahren und den höchſten Zwecken der Humanität ausſchließend geweihten geiſtigen Perſönlichkeit.