Teil eines Werkes 
2. Band (1861)
Entstehung
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feinen weißen Tafelbrödchen, die er unter dem ſtill beob⸗ achtenden Lächeln der Geſellſchaft faſt regelmäßig in ſeiner Zerſtreutheit den neben ihm ſitzenden Perſonen hinweg⸗ nahm; dabei hatte er häufig ein kleines Unglück, das die Uebrigen erheiterte: bald ſchüttete er ſein Weinglas um, bald zerbrach er eine feine chineſiſche Taſſe; auch gab er zuweilen ganz verkehrte Antworten, redete einzelne Anwe⸗ ſende mit fremden Namen an, verwechſelte wohl auch zur Erheiterung die Titulaturen, und ward er dann zu ſeiner großen Verlegenheit den begangenen Irrthum inne, ſo ſuchte er dem Geſpräche ſchnell durch irgend ein Paradoxon eine andere Wendung zu geben und dadurch die Aufmerkſamkeit der Anweſenden von ſeiner Perſon wieder abzulenken.

Erſt gegen das Ende der Mahlzeit, wenn der Wein und die Heiterkeit ſeiner Umgebung auch ſeine Lebensgeiſter anregte, ward er geſprächig; bemächtigte ſich in ſeiner geiſt⸗ voll belebten Weiſe der Unterhaltung und holte aus dem reichen Schatz ſeiner Kenntniſſe irgend ein Thema von all gemeinem Intereſſe hervor, worüber er ſich dann in ſo flie⸗ ßendem und anregendem Vortrag verbreitete, daß man ſeine Geſpräche nicht mit Unrecht das poetiſche Deſſert nannte, welches gewöhnlich den Beſchluß dieſer an geiſtigen und materiellen Genüſſen ſo reichen Abende machte.

Seine blühende Redeweiſe, ſein Reichthum an treffen⸗ den originellen Gedanken, ſeine ſcharfe Beurtheilung von Menſchen und Dingen verſchaffte ihm dann eben ſo viele aufmerkſame Zuhörer, als Gäſte in dem Saale anweſend waren; und gab es ſelbſt zuweilen Einige darunter, die von der ſchnellen Aufeinanderfolge tiefſinniger Gedanken und kühner Vergleichungen überraſcht wurden, daß ihnen Manches unverſtändlich blieb, ſo feſſelte doch auch ſie der poetiſche Zauber ſeiner Rede, der Wohlllang ſeiner ſonoren Stimme und der lebhafte Ausdruck ſeiner Züge.