Teil eines Werkes 
2. Band (1861)
Entstehung
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und Bildung der Aufnahme in denſelben würdig machte; und der fein gebildete Kavalier fand dann hier den nämli⸗ chen herzlichen Willkomm, der dem ſchüchternen Gelehrten, dem mehr oder minder genialiſch auftretenden Künſtler und Schöngeiſt zu Theil wurde.

Man muſizirte, man las und unterhielt ſich in freieſtem Gedankenaustauſch über das Geleſene; ja, man ſpielte ſelbſt, um nicht ganz und gar bei den Leuten in den Verruf eines erkluſiv äſthetiſchen Muſenhofs zu kommen, heitere Geſellſchafts ſpiele, und zuweilen nahm ſogar der Herr Landgraf an dieſen durch Geiſt und ungezwungene Fröhlichkeit belebten Abend⸗ unterhaltungen für einige Stunden, die er der Erholung von den Regierungsgeſchäften widmete, perſönlichen Antheil.

In dieſen Kreis, der bald in der Reſidenz und bei Hofe nur der Frau PrinzeſſinAbendkränzchen genannt wurde, trat Roderich wie nach einer ſtillſchweigend ihm zu geſtandenen Ausnahmsvergünſtigung gewöhnlich erſt ein, wenn man von den freien ſchönen Künſten zu einer mehr geſelligen Konverſation überging. Jedermann glaubte es dann dem blaſſen Gelehrten gerne, wenn er faſt jedes⸗ mal, um ſein ſpätes Kommen zu entſchuldigen, angeſtrengte Studien und dringende Arbeiten für dieſes und jenes wiſ⸗ ſenſchaftliche Journal vorſchützte. Sah er doch ſo erſchöpft und angegriffen aus, daß ſeiner freundlichen Bitte um tige Nachſicht mit ſeiner zerſtreuten Perſon von Herren und Damen gerne willfahrt wurde. So ſaß er denn auch ge⸗ wöhnlich zerſtreut und in ſich gekehrt bei Tiſche, lächelte meiſt nur ſtill vor ſich hin, wenn ein guter Einfall, ein artiges Hiſtörchen von den Andern belacht wurde, und ſchien mit ſeinem Geiſte fortwährend bei ſeinen ernſten Büchern und Studien in der ſtillen Studirſtube zu ver⸗ weilen. Dabei er haſtig, wenn auch ſehr mäßig, und hielt ſich beſonders mit ſeinem einfachen Geſchmack an die