dieſe Zeit erſt die rechte Luſt an Vergnügungen und Zer⸗ ſtreuungen aller Art zu erwachen pflegte, wurde es nach und nach in dieſem verhängnißvollen Jahre in der Reſidenz ſo ſtille, wie in einer entfernten Provinzſtadt; die bürger⸗ liche Geſellſchaft enthielt ſich aus noch triftigeren Gründen wie die vornehme Welt aller lauten Luſtbarkeiten, und der frühere geſellige Frohſinn flüchtete ſich mehr und mehr aus den öffentlichen Vergnügungsorten in die engeren Kreiſe des häuslichen Lebens; ein Hofball wurde eine Seltenheit, und an die gewohnten Freuden und Ergötzlichkeiten des Karnevals dachten dießmal höchſtens nur jüngere Leute.— Vielleicht am wenigſten ſchmerzlich empfanden die Prin⸗ 5 zeſſin und ihre ſchöne Freundin dieſen Uebergang aus der ſeitherigen Welt des flüchtigen Genuſſes und der betäuben— den Vergnügungen zu einem mehr ſtillen, begrenzten Leben . im geiſtig gehobenen und aller ſtrenghöfiſchen Form entbun⸗ denen Verkehr mit einigen auserwählten Perſonen von Bil⸗
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dung, Talent und Würdigkeit. Bald verſammelte ſich an dem noch jüngſt nur dem courfähigen Adel und anderen diſtinguirten Perſonen zu⸗ gänglichen Hofe an beſtimmten Abenden eine zwar beſchei⸗ dene, aber durchaus nicht zu verachtende Geſellſchaft von Künſtlern, Gelehrten und äſthetiſch gebildeten Männern, welcher die Anweſenheit einiger durch Geiſt, Anmuth und liebenswürdiges Weſen ausgezeichneter Damen, den frühe⸗ ren Jugendfreundinnen der Prinzeſſin, einen noch erhöhten Reiz verlieh, indem man bald zur allſeitigen Befriedigung wahrnahm, daß die fürſtliche Frau Wittwe ihren vertrau⸗ ten Zirkel mit ebenſo viel Takt als Geſchmack auszuwählen 1 verſtanden hatte. War gleich das bürgerliche Element in dieſem kleinen . Kreiſe vorherrſchend, ſo fehlte doch das durch Geburt be⸗ 4 vorzugte keineswegs, ſofern es ſich wie jenes durch Geiſt


