wandelt die Erſcheinung der Welt“, finden wohl auf keine Sphäre des Lebens ſo richtig und unmittelbar ihre An⸗ wendung als auf die Welt, in welcher Serena jetzt lebte; und darum ſoll es uns auch nicht Wunder nehmen, wenn nach ſo vielen ungewöhnlichen Störungen und Aufregungen das Leben am Hofe allmälig zu der früheren Einfachheit und den regelmäßigen Abwechslungen zurückkehrte.— Allerdings mochten hierzu die täglich bedenklicher lautenden Nachrichten vom nordiſchen Kriegsſchauplatz weſentlich bei— tragen, welche beim Beginn des Winters alle Gemüther in athemloſe Spannung verſetzten, alle Herzen mit der Ah⸗ nung einer nahen furchtbaren Weltkataſtrophe erfüllten.— Man wußte ſchon, daß Napoleon das nach unſäglichen Opfern an Menſchenleben und Kriegsmaterial gewonnene Moskau wieder verlaſſen und mit dem Reſt ſeiner bis jetzt für unüberwindlich gehaltenen Armee im Anfang eines un⸗ gewöhnlich ſtrengen Winters den in der Kriegsgeſchichte ohne Beiſpiel gebliebenen Rückzug mitten durch unermeß⸗ liche Steppen voll ſtarrenden Eiſes und einer in Rache glühenden Bevölkerung angetreten habe; auch das kleine Kontingent unſeres Landes war zu jenem furchtbaren Welt— kampfe ausgezogen; und Tauſende von zärtlich liebenden Herzen zitterten daheim um das Schickſal theurer Angehöri— gen, die, dem damit ſchwer zu vereinenden Begriffe deutſcher Tapferkeit und Fahnentreue gemäß, der alten Erbſchmach
Deutſchlands, fremdem Deſpotismus, zum Opfer fallen ſollten.
Unter ſolchen traurigen Umſtänden verboten ſich, zumal
an einem deutſchgeſinnten Fürſtenhof, alle außergewöhnlichen
Luſtbarkeiten und Zerſtreuungen von ſelber; und in der
That waren es der regierende Fürſt und ſeine Gemahlin,
die ſich zuerſt aus dem ſeitherigen bewegten Leben voll
Glanz und Wechſel zurückzogen, wie es die Ankunft der
Prinzeſſin Aurelie veranlaßt hatte.— Während ſonſt um


