Teil eines Werkes 
2. Band (1861)
Entstehung
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Srſtes Rapitel.

Wieneht der Freundſchaftsbund zwiſchen der Prin⸗ zeſſin und Serena nach der Meinung mancher Leute viel zu ſchnell im erſten Eindruck ſchwärmeriſcher Gefühle ge ſchloſſen worden war, ſo konnte man doch bald bemerken, daß derſelbe, je näher ſie ſich kennen lernten, an Innig⸗ keit und gegenſeitigem Vertrauen noch zunahm: eine Wahr⸗ nehmung, welche die Prinzeſſin bei jeder öffentlichen Ge⸗ legenheit durch ihr herzliches Benehmen gegen ihr ſchönes Hoffräulein beſtätigte. Beide waren bald unzertrennliche Freundinnen; ja, die Fürſtin ſchien es recht abſichtlich darauf anzulegen, Serena voranzuſtellen und ſie bei den Hoffeſten in aller Schönheit und Anmuth ihrer blühenden Jugend glänzen zu laſſen. Verſchwenderiſch überhäufte ſie die jün⸗ gere Freundin mit Güte und Geſchenten, und je mehr ſie

ſelber freiwillig vor ihr zurücktrat und ihr den größeren Theil der Huldigungen überließ, welche ſie ſeither allein genoſſen hatte, um ſo glücklicher und heiterer erſchien ſie

Allen; ja, nach einer Weile fiel es kaum mehr auf, daß 16 ſie ſich mehr und mehr aus dem Treiben des Hoflebens in die Stille zurückzog und höchſtens noch um Serena's willen

Antheil daran nahm.

Die Worte einer edlen gelehrten Italienerin*):Schnell

*) Olympia Morata. Müller, O., Roderich. II. 1