zwei Eiſenſtäbe gelehnt und verſuchte zu beten, denn immer grauenhafter erſchien ihr dieſes nächt⸗ liche Beginnen des Mannes, den ſie von Kind⸗ heit an gefürchtet hatte, wie keinen andern Men⸗ ſchen auf Erden.
„Da unten ſchafft er nichts Gutes!“ ſagte ihr die ahnungsvolle Stimme ihres Innern, aber was er Böſes dort ſchaffe, das verſchwieg ihr der dunkel aufklaffende Brunnen, und ſo oft ſie auch zu beten verſuchte, reichte ein Blick auf die ſchwarze ſtumme Oeffnung hin, um ihr jedes Gottvertrauen unmöglich zu machen. Denn un⸗ heimlich, wie das glanzloſe Auge der Schuld, ſah es ſie aus dem Brunnen an, in deſſen düſtere Nacht ihr Vater vorhin aus der Nacht auf der Oberwelt hinabgeſtiegen war, um vielleicht tief unten in einer dritten noch ſchwärzeren Nacht ſein unſeliges Geheimniß zu verbergen.
Endlich glaubte Marillis über der Oeffnung einen flüchtigen Dämmerſchein zu erblicken, der jedoch ſogleich wieder verſchwand, worauf die vorige Finſterniß über dem Abgrund lagerte. Nach einer Weile dieſelbe Erſcheinung, derſelbe ſchnelle Uebergang vom Licht zur Dunkelheit. So blieb es mehre Minuten, bis auf einmal


