heimniß und ſie begriff kaum noch, welche Angſt ſie ohnlängſt von dannen geſcheucht hatte.
Da weckte ſie plötzlich ein Geräuſch unter ihrem Fenſter aus ihren Träumen. Sie hörte, wie man von Außen einen Schlüſſel in die Thüre ſteckte, gleich nachher knarrte das Schloß, die Pforte öffnete ſich und ein Mann, in welchem ſie auf den erſten Blick ihren Vater erkannte, trat in den Zwinger. Trotz der hellen Mondnacht trug er eine kleine Laterne und außerdem noch einen Weidenkorb. Marillis, die ſich hinter ihrem Rosmarin vor jeder Entdeckung ſicher wußte, ſah, wie der Alte die Laterne und den Korb neben den Brunnenrand niederſetzte und dann die Thüre hinter ſich wieder ſorgfältig zuriegelte. Eine unerklärliche Angſt überfiel ſie, als er dann zu dem Brunnen trat und zwei von den mor⸗ ſchen Eichdielen aufhob, welche die Oeffnung be⸗ deckten. Darauf befeſtigte er die Laterne an dem Gurt ſeiner Beinkleider, nahm den Korb in die Linke und ſtieg vorſichtig in den Brunnen hin⸗ unter, in welchem Marillis zu ihrem Erſtaunen die oberſten Sproſſen einer Leiter entdeckte.
Sie trat, ohne ſich eines klaren Gedankens bewußt zu werden, von dem Fenſter zurück und


